Scherben bringen Glück - Artenvielfalt auf Kalkscherbenäckern im Landkreis Forchheim
An einem sonnigen Tag an Getreidefeldern entlang zu spazieren und dabei die Farbenpracht von Ackerwildkräutern wie Klatschmohn, Rittersporn oder Kornblume zu bewundern, ist vielerorts zu einer Seltenheit geworden.
Durch die Intensivierung der Landwirtschaft, verbunden mit dem Einsatz von Spritz- und Düngemitteln, aber auch durch die Aufgabe von Ackerflächen, zählen Ackerwildkräuter mittlerweile zu den gefährdetsten Pflanzenarten in Bayern. Dem will der LPV Forchheim im Rahmen der Kampagne „Bayerns UrEinwohner“ der bayerischen Landschaftspflegeverbände und des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit entgegen wirken. Daher wird auch in seinem Artenschutzprojekt das Augenmerk auf die Kalkscherbenäcker im Landkreis Forchheim gelenkt.
Die Kalkscherbenäcker auf den Hochflächen der Frankenalb beherbergen wohl die farbenprächtigste und artenreichste Ackerwildkrautgesellschaft in Nordbayern, zu der auch eine „UrEinwohnerin“, das Sommer-Adonisröschen gehört. Diese Ackerwildkrautfluren bilden nicht nur einen reizvollen Blickfang in der Landschaft, sondern auch Lebensraum für eine Reihe von Insekten. So profitieren zum Beispiel auch verschiedene Rüssel- und Laufkäferarten von der großen Vielfalt an Wildkrautarten.
Allerdings zeigten bereits Untersuchungen vor mehr als 40 Jahren einen starken Rückgang des Sommer-Adonisröschens und seiner Gesellschaft in der Fränkischen Schweiz. Mit einer seitdem fortschreitenden Abnahme der Arten muss leider gerechnet werden. Der LPV Forchheim hat die Kalkscherbenäcker im Landkreis genau unter die Lupe genommen und nach gefährdeten Kräutern gesucht. Auf nur 11 Äckern konnte das Sommer-Adonisröschen gefunden werden. Auch andere typische Arten, wie der Ackerkohl wurden konnten nur als einzelne Exemplare auf wenigen Äckern nachgewiesen werden. Als wertvollster Acker mit über 55 Ackerbegleitarten stellte sich dabei eine biologisch bewirtschaftete Fläche am Kautschenberg heraus. Der Landwirt bekam dafür einen Preis für den schönsten Acker im Landkreis.
Die Untersuchung der Laufkäferarten war erfreulicher. Insgesamt konnten 83 Arten nachgewiesen werden, darunter viele gefährdete Arten. Ein ganz besonderer Fund war der vom Aussterben bedrohte Laufkäfer Amara crenata. Der Käfer wurde seit 160 Jahren nicht mehr in Nordbayern gefunden. Die Untersuchung hat bestätigt, dass extensiv bewirtschaftete Kalkscherbenäcker ein wichtiger Lebensraum für trocken- und wärmeliebende Laufkäfer sind.
In der Broschüre "Scherben bringen Glück" beschreibt der Landschaftspflegeverband die reichhaltige Artenvielfalt auf den Kalkscherbenäckern im Landkreis Forchheim.
Berichte:
Sattler, S. (2009): Erfassung der Ackerwildkrautvegetation unter Berücksichtigung von Adonis aestivalis auf Kalkscherbenäckern im Landkreis Forchheim. Unveröffentlichter Projektbericht, 51 S.
Niedling, A. (2009): Laufkäfer (Coleoptera: Carabidae) auf Kalkscherbenäckern im Landkreis Forchheim. Unveröffentlichter Projektbericht, 23 S.
Mehr Informationen und Kontakt
Landschaftspflegeverband Forchheim e.V.
Oberes Tor 1
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Tel: 09194 /723-447
E-Mail: andreas.niedling@lra-fo.de
