Deutscher Verband für Landschaftspflege - DVL e.V.
headerimage_overlay

Bildautor: Norbert Meyer

Landschaftspfleger erforschen fränkische UrEinwohner

21. Juli 2008 Christiane Feucht

Neue Mehlbeerarten in Unterfranken - Untersuchung gestartet

Würzburg, Ansbach, 21.7.2008. Unbekannte Arten gibt es nicht nur im tropischen Regenwald, sondern auch in Franken! Sorbus pulcherrima ist eine von etwa 5 neuen Arten, die jetzt um Leinach in Unterfranken entdeckt wurden. "Mehlbeeren kommen fast in ganz Europa vor, aber hier auf den unterfränkischen Muschelkalkböden haben sich mehrere neue Arten entwickelt, die es nur bei uns gibt und nirgendwo sonst", erklärt der Mehlbeeren-Experte Norbert Meyer. "Das macht diese kleinen Bäume einzigartig und für unsere Region besonders wertvoll und schützenswert", betont Meyer. Die Landschaftspflegeverbände Würzburg und Main-Spessart haben deshalb die Erforschung der Mehlbeeren-Arten in ihren Gebieten initiiert, um deren Verbreitung und Abstammung zu klären. 

"Wenn wir ein Exemplar einer uns noch unbekannten Mehlbeere finden, wissen wir erst einmal nicht, ob es eines von vielen, das einzige und erste oder letzte seiner Art ist", so Meyer. "Eine gründliche Datenerhebung, Kartierung und Beschreibung ist wichtig, um herauszufinden, ob Schutz und Pflege notwendig sind und was wir dafür tun können. Von Sorbus pulcherrima sind kaum ½ Dutzend Exemplare bekannt, daher sollte man ihre Existenz nicht dem Zufall überlassen." Unauffällig sind die meisten Mehlbeeren, und dennoch gehören einige zu den besonderen Arten, für deren Schutz und Erhalt Bayern eine globale Verantwortung trägt. 

Die Landschaftspflegeverbände Würzburg und Main-Spessart agieren landkreisübergreifend für den Erhalt der mainfränkischen Mehlbeeren und wollen die Bestände der endemischen Arten in Unterfranken langfristig sicherstellen. Mit der genauen Kenntnis der Standorte und Bedürfnisse der Arten können gezielte Maßnahmen vorgenommen werden. Dazu gehört z.B. die Auflichtung des Standorts durch Entfernen von Konkurrenzgehölzen, aber auch die Nachzucht und Vermehrung der seltenen Arten. Besonders der Waldbau im Zeichen des Klimawandels könnte für die wärmetoleranten Mehlbeeren mit ihrem wertvollen Hartholz künftig eine besondere Rolle bereithalten. Die Landschaftspflegeverbände arbeiten dabei eng mit Kommunen, Forstwirten und Naturschützern zusammen.

Mehlbeeren sind seit Jahrtausenden in aktiver Artbildung begriffen und passen sich so an neue Lebensräume und sich verändernde Standortbedingungen an. Ihre auffälligen Früchte sind rot, orange oder gelb und werden von Vögeln und Säugetieren gefressen und verbreitet. Als lichtbedürftige, zu Stockausschlag fähige Arten sind Mehlbeeren auf lichte Wälder und Waldsäume angewiesen und wurden in der Vergangenheit durch historische Formen der Waldnutzung wie Niederwald, Mittelwald und Waldweide gefördert. Deren Aufgabe und die Umwandlung dieser Wälder in dichtere, schattenreiche Hochwälder im Rahmen moderner Forstwirtschaft drängt sie heute zunehmend an den Rand. 

"Bayerns UrEinwohner" sind 17 Tier- und Pflanzenarten mit besonderer regionaler Bedeutung für die Artenvielfalt in Bayern. Neben konkreten Artenschutzmaßnahmen machen die bayerischen Landschaftspflegeverbände die Arten mit vielfältigen Aktionen für alle bekannt und erlebbar. Die Kampagne wird unterstützt vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz.

Weitere Informationen und Bilder unter www.bayerns-ureinwohner.de

Kontakt:
Deutscher Verband für Landschaftspflege (DVL) e. V.
Koordinierungsstelle Bayerische Landschaftspflegeverbände
Christiane Feucht, Dr. Jürgen Metzner
Tel. 0981/4653-3540, Mobil: 0176/64836245
Feuchtwanger Str. 38, 91522 Ansbach