Deutscher Verband für Landschaftspflege - DVL e.V.
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Naturerbe und Mundart brauchen Pflege: Es is immer bloß a Bamm

Lesen Sie hier ein Gedicht von Helmut Haberkamm in mittelfränkischer Mundart

02. Oktober 2012

Es is immer bloß a Bamm - ein Gedicht von Helmut Haberkamm

Es is immer bloß a Bamm, den wussi wechmachn, a Heggn
Immer bloß a Brunna, a Gärdla, a Pflasder, a Maierla, a Briggla,
Es is immer bloß a alds Haisla, des wussi eireißn denna, a Baggoofn
A Milchrambm, a Woochhaisla, a Staagreiz, a Scheierla, a Keller
Es is immer bloß a Booch, wu begroodichd werd, bloß a Fuhr
A Weech, der wu verleechd werd, a Hohlgaß, a Hubbl, a Ranga
Es is immer bloß a Agger, wu wechkummd, a Wiesn, a Wäldla
Es is immer bloß a Bauer, wu aufgeem dudd, a Hof, wu eigehd
A alder Grauderer, wu widder wech is, a Werdschafd na wenger
A Loodn widder ford, a guuda Haud, a komischa Kabbm
Aaner allaa auf weider Flur, a ganz einger Schlooch

Immer sinns bloß a boor Veecherle und Viecher, wu ford sinn
A boor Pfiffer und Graider und Blumma, wummer nämmer sichd
Immer bloß a Stiggla, a Drimmla is widder ford, nedd die Weld
Doo is nedd schood drum, soongs, nedd weider draagisch
Des hadd wechkerd, des ald Zeich, schood um a jeds Word
Pfeif auf die boor Greedn doo, soongs, bloß a boor Zergwedschda
Des Glumb is kann Schuß Bulfer weerd, a Schlooch ins kald Wasser

Immer bloß a bißla, a weng wos, nix weider
Immer hald bloß a Bamm, a Haisla, a Baierla wenger
Bloß midder Zeid hald werd alles ganz annersch
Und dernooch hadd widder kanner doo dervoo wos gwißd
Hadds widder kanner so kumma sehng, wies sei werd
Haddmer widder rein goor nix machn kenna dergeeng

Bloß am End stenners na dord mid gwaschna Häls und beeglda Hosn
Und mid aufgrissna Aang stierns wie die Eelgetzn in die Weldgschichd
Gratzn mid die Finger am Lagg und am Gloos und am Blech und am Deer
Und suhng nooch an bißla, bloß an Fitzerla von am ganz annern Leem

Weitere Informationen zum Dichter bekommen Sie unter www.helmuthaberkamm.de


Auf Hochdeutsch: Es ist immer bloß ein Baum

Es ist immer bloß ein Baum, den sie wegmachen, eine Hecke
Immer bloß ein Brunnen, ein Garten, ein Pflaster, eine Mauer, eine kleine Brücke
Es ist immer bloß ein altes Haus, das sie einreißen, ein Backofen
Eine Milchrampe, ein Waaghaus, ein Steinkreuz, eine Scheune, ein Keller
Es ist immer bloß ein Bach, der begradigt wird, bloß ein Fahrweg
Ein Weg, der verlegt wird, eine Hohlgasse, ein Hügel, ein Rangen
Es ist immer bloß ein Acker, der wegkommt, eine Wiese, ein Wäldchen
Es ist immer bloß ein Bauer, der aufgibt, ein Hof, der eingeht
Ein alter Krauterer, der wieder weg ist, ein Wirtshaus weniger
Ein Laden wieder fort, eine gute Haut, ein komischer Kauz
Einer allein auf weiter Flur, ein ganz eigener Schlag.

Immer sind es bloß ein paar Vögel und Tiere, die fort sind
Ein paar Pilze und Kräuter und Blumen, die man nicht mehr sieht
Immer bloß ein Stück, ein Trumm ist wieder fort, nicht die Welt
Da ist es nicht schade drum, sagen sie, nicht weiter tragisch
Das hat weggehört, das alte Zeug, schade um jedes Wort
Pfeif auf die paar Kröten da, sagen sie, bloß ein paar Zerquetschte
Das Gelumpe ist kein Schuss Pulver wert, ein Schlag ins kalte Wasser

Immer bloß ein bisschen, ein wenig, nichts weiter
Immer halt bloß ein Baum, ein Haus, ein Bauer weniger
Bloß mit der Zeit, da wird alles ganz anders
Und dann hat wieder keiner etwas davon gewusst
Hat wieder keiner so etwas kommen sehen, wie es sein wird
Hat man wieder rein gar nichts machen können dagegen

Bloß am Ende stehen sie da, mit gewaschenen Hälsen und gebügelten Hosen
Und mit aufgerissenen Augen starren sie wie die Ölgötzen in die Weltgeschichte
Kratzen mit den Fingern am Lack und am Glas und am Blech und am Teer
Und suchen nach einem bisschen, bloß ein kleines Stück von einem ganz anderen Leben