Deutscher Verband für Landschaftspflege - DVL e.V.
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Foto: Böck

Foto: LPV Mittelfranken

Ohne Schafe keine Hexe

Schäfer und Landschaftspfleger setzen sich für Artenvielfalt ein - EU-Gerichtsverfahren im Gang: Schafbeweidung steht auf dem Spiel

19. Mai 2009 Christiane Feucht

Landschaftpflegeverbände: Schafbeweidung für Erhalt der Artenvielfalt unersetzlich

Ansbach, 20.5.2009. Anlässlich des Tages der Artenvielfalt stellen die Landschaftspflegeverbände in Bayern die Bedeutung der Schäferei für den Erhalt der heimischen Artenvielfalt heraus. Viele Arten wie der seltene Tagfalter Berghexe (Chazara briseis) sind direkt von der Schafbeweidung abhängig. Der EU-Gerichtshof prüft gegenwärtig, ob extensive Schafbeweidung aus Agrarmitteln gefördert werden darf. Sie entscheidet damit über deren Existenz, die Zukunft der Landschaftspflege mit Schafen und die Überlebenschancen von Offenlandarten. Am 22. Mai stellt der Landschaftspflegeverband am Hesselberg in Mittelfranken ein Artenschutzprojekt für die Berghexe vor. Der Schmetterling ist eine von 14 ausgewählten Arten der Kampagne "Bayerns UrEinwohner", für deren Schutz und Erhalt sich die bayerischen Landschaftspflegeverbände engagieren.

Die Beweidung der mageren Wiesen vor allem durch Schafe hält die Landschaft offen und ist daher für den Erhalt vieler Arten unersetzlich. Doch für die Schäfer ist dies oft unrentabel: Die Flächen sind häufig klein, liegen verstreut und der Nährwert für die Schafe ist gering. Dabei geht es nicht nur um Wirtschaftlichkeit: die Schafhalter pflegen ökologisch wertvolle Lebensräume und erhalten attraktive Landschaften, wie artenreiche Wacholderheiden. Sie sind für diese Leistung auf Unterstützung angewiesen. Bis jetzt war es für die Schäfereibetriebe möglich, eine Flächen-Förderung aus den EU-Agrarmitteln zu beantragen. Doch der EU-Gerichtshof prüft aktuell in einem Verfahren, ob die Beweidung extensiver Flächen überhaupt als landwirtschaftliche Nutzung gilt und damit förderfähig ist. "Damit steht die Existenz von Schaf- und Mutterkuhhaltern auf dem Spiel. Das hätte für den Erhalt der Artenvielfalt katastrophale Folgen", so Josef Göppel, MdB und Vorsitzender des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege. "Arten wie die Berghexe können wir ohne Schafbeweidung nicht erhalten. Es muss auch weiterhin Förderung für naturverträgliche Landwirtschaft geben."

Am Hesselberg findet am 22. Mai die Auftaktveranstaltung für das UrEinwohner-Projekt "Das Jahr der Berghexe" statt. Der Landschaftspflegeverbandes Mittelfranken organisiert die Pflege des Lebensraums auf den Berg gemeinsam mit Schäfer Friedrich Belzner und den umliegenden Gemeinden. Dieses Jahr werden auf dem Berg ungewöhnliche Schilder auf die Berghexe und die Aktionen aufmerksam machen. Zum Abschluss des Projektjahres wird großen Aktionstag im Herbst unter dem Motto "200 Hände für die Berghexe" stattfindet, an dem mit engagierten Bürgern Gehölze entfernt werden. Damit soll der Lebensraum der Berghexe vergrößert und die Bedingungen für die Schafbeweidung verbessert werden.

Die Berghexe ist ein bayerisches Juwel: Sie ist extrem selten und gehört zu der Artengruppe, die in Bayern überdurchschnittlich gefährdet ist: 60% aller Tagfalter stehen in Bayern auf der Roten Liste. Die Gründe dafür sind vielfältig: Die Lebensräume vieler Tagfalter liegen in der offenen Landschaft, die durch landwirtschaftliche Nutzung entstanden und erhalten wird. Verändert sich die Landnutzung, werden Flächen z.B. intensiver bewirtschaftet oder fallen brach, dann trifft sie das besonders. Ohne die Schafbeweidung auf dem Hesselberg, würde die Berghexe keine geeigneten Eiablageplätze mehr finden und aussterben.

Hintergrund:

Die Berghexe war früher weit verbreitet und kommt heute nur noch an zwei Stellen in Bayern vor: Eine davon ist der Hesselberg, höchste Erhebung Mittelfrankens. Die Berghexe lebt auf Kalkmagerrasen, ist aber nur dort zu finden, wo die Flächen mit Schafen beweidet werden. Nur dort findet sie lückige Vegetation durchsetzt mit Steinschutt, die sie als Eiablageplätze nutzen kann. Die sonst tagaktive Raupe des Tagfalters hat sich an die Schafbeweidung stark angepasst und ist in Zeiten der Beweidung nachtaktiv. Der drastische Rückgang der Berghexe liegt vor allem am Rückgang der Beweidung, wodurch sich der Lebensraum verändert. Die Vegetation wird dichter und Gehölze wie Schlehe und Weißdorn breiten sich aus. Verloren gehen dabei dann alle Wärme liebenden und konkurrenzschwachen Arten.

Die Berghexe gehört 2009 zu den ausgewählten heimischen Tieren und Pflanzen der Kampagne Bayerns UrEinwohner. Neben Artenschutzmaßnahmen machen die Landschaftspflegeverbände die Arten mit vielfältigen Aktionen, z.B. Erlebnistage, Kunstprojekte und Ausstellungen bekannt und erlebbar. Die Kampagne der bayerischen Landschaftspflegeverbände wird unterstützt vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit.

Weitere Informationen zum EU-Gerichtsverfahren: Stellungnahme der Verbände unter www.lpv.de/Presse.

Weitere Informationen zur Berghexe und dem UrEinwohner-Projekt: Norbert Metz, Tel. 0981/4653-3525, metz@lpv-mfr.de

Kontakt: Deutscher Verband für Landschaftspflege (DVL) e. V.
Christiane Feucht
Tel.: 0981/4653-3540
Mobil: 0176/64836245